17.12.2017
04.02.11

Wachstumsmarkt Islam

 

Auch deutsche Unternehmen entdecken den Markt der Halal-Produkte

 

Von Benjamin Lassiwe (KNA)

Hannover (KNA) Auf der Plastiktüte mit den Fruchtgummis weht die
Nationalfahne der Türkei. Und die Wurstverpackung ist ganz in Grün
gehalten, der islamischen Farbe für Gott und Glück. Immer mehr
deutsche Unternehmen haben Muslime als Kunden entdeckt und
produzieren ihre Waren nach den Speisegesetzen des Islam: Kein
Schweinefleisch, kein Alkohol und keine Bestandteile davon dürfen
sich in Gummibärchen und Salami finden, damit sie das begehrte
Prädikat «Halal» erhalten. Und Rinder und Hühner müssen nach
islamischen Regeln geschlachtet werden, damit ihr Fleisch auch für
gläubige Muslime eine Alternative im Supermarktregal darstellt.

«Weltweit leben 1,6 Milliarden muslimische Konsumenten, was 24
Prozent der Gesamtbevölkerung der Erde entspricht», sagt Mahmoud
Tatari von der Rüsselsheimer Zertifizierungsorganisation Halal
Control. Sein Unternehmen ist eine von nur zwei Firmen in
Deutschland, die ein in Malaysia und Indonesien anerkanntes
Halal-Siegel verleihen dürfen. Beide Länder sind in der
Zertifizierung islamkonformer Lebensmittel weltweit führend.

«Vor allem in Malaysia spielen Halal-produzierte Lebensmittel
mittlerweile eine große Rolle», sagt Tatari. «Dort sind 45 Prozent
aller Lebensmittel in den Supermärkten entsprechend zertifiziert.»
Wie groß die Nachfrage danach sei, zeige das Beispiel der
Fastfood-Kette McDonalds: Als deren Restaurants in Malaysia
Halal-zertifiziert wurden, habe der Hamburgerverkäufer in dem
südostasiatischen Land plötzlich 20 Prozent mehr Umsatz erzielt.

Weswegen auch deutsche Unternehmen nach und nach in den Markt
islamisch produzierter Lebensmittel einsteigen wollen: Ein «Food
Forum» der Industrie- und Handelskammer Hannover, das Erzeuger über
die Halal-Branche informierte, stieß jedenfalls am Donnerstag auf
großes Interesse. Denn auch in Deutschland hat der Markt für
Halal-zertifizierte Lebensmittel ein Potenzial von rund vier
Milliarden Euro, schätzt Tatari. «Allein die Döner-Branche macht
einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Euro.»

Weswegen sich auch der Molkereikonzern Nordmilch für den Einstieg in
das Geschäft mit islamkonformen Lebensmitteln entschied. Die Kunden
wollten es so: «Großbetriebe aus der Schokoladenindustrie fordern
mittlerweile zwingend eine Halal-Zertifizierung aller Lieferanten»,
sagt Burkhard Voß, Leiter der Abteilung Qualitätsmanagement und
Kundenservice bei Nordmilch. «Aber ein bißchen Halal gibt es nicht.»
Auch Nordmilch musste deswegen sicher stellen, dass Halalprodukte
nicht mit unreinen Lebensmitteln in Verbindung kommen. «Manche
Zertifizierungsorganisationen achten sogar auf das
Desinfektionsmittel für die Hände der Mitarbeiter in der
Produktion», sagt Voß. «Auch darin darf kein Alkohol enthalten sein.»

Doch Unternehmen, die ihre Produktion auf Halal umstellen, haben die
Chance auf einen Wachstumsmarkt: «In den kommenden sieben Jahren
wird sich der Konsum von Hähnchenfleisch in Indonesien verdoppeln»,
sagt Dato Seri Jamil Bidin von der malaysischen «Halal Industry
Developement Corporation». «Aber bislang beziehen Malaysia und
Indonesien ihr Halal-geschlachtetes Hähnchenfleisch vor allem aus
Brasilien», sagt Bidin. «Dabei liegt doch Europa viel dichter an
Südostasien als Brasilien.»