17.12.2017
23.05.08

Obstbauern und Landwirte bekommen Klimawandel zu spüren

 

Fachtagung der Landwirtschaftskammer und des Europäischen Informations-Zentrums (EIZ) Niedersachsen zu den Folgen des Klimawandels

(lifepr) Obstbauern im Alten Land bekommen den Klimawandel bereits heute hautnah zu spüren. Ein sichtbares Zeichen: Die Apfelbäume blühen etwa 19 Tage früher als vor 30 Jahren. Verantwortlich dafür sind vor allem die höheren Temperaturen in den Monaten Februar, März und April, also unmittelbar vor der Blüte. "Bei Birne, Kirsche und Pflaume ist ein ähnlicher Trend zu beobachten", sagte Dr. Karsten Klopp auf der Tagung "Klimawandel in Europa", die gestern (21. Mai) in Jork im Alten Land stattfand.

Die frühe Blüte kann durch häufigere Spätfröste Schaden nehmen, befürchtet der Fachmann des Obstbau Versuchs- und Beratungszentrums (OVB) Jork der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Außerdem werde das Risiko von Hagel und Starkregen in Zukunft zunehmen. Insgesamt rechnet Dr. Klopp aber nicht nur mit früheren, sondern auch qualitativ besseren Ernten. Um 1,7 °C ist die Durchschnittstemperatur an der Niederelbe in den vergangenen 30 Jahren gestiegen. Das ist deutlich mehr als im deutschlandweiten Durchschnitt. Die Obstbauern reagieren darauf mit dem Anbau Wärme liebender Sorten. Ein Beispiel dafür ist die Apfelsorte "Braeburn". Während sie vor 15 Jahren noch ohne jede Bedeutung war, beträgt ihr Anteil heute bereits 5 % an der Gesamternte. Durch die steigenden Temperaturen nehmen auch die Schädlinge zu. So hat sich der Apfelwickler in den warmen Sommern 1999, 2003 und 2006 über das Niederelbe-Gebiet verbreitet und richtet erheblichen Schaden an.

Auch Pilzerkrankungen wie Schorf oder Mehltau sieht der Fachmann durch nasse, milde Winter auf dem Vormarsch. Außerdem sei mit neuen oder unüblichen Schadpilzen zu rechnen. Ähnlich ist die Entwicklung in der Landwirtschaft. Hans-Georg Hassenpflug von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtete von deutlich früheren Getreideernten und Problemen mit Schädlingen, Unkräutern und Pilzkrankheiten. Kammereigene Untersuchungen belegen, dass in den vergangenen zehn Jahren der Weizenertrag witterungsbedingt zurückgegangen ist.

Auch in der Tierhaltung ist der Einfluss des Klimawandels spürbar. Die zahlreichen Fälle der sogenannten Blauzungenkrankheit werden damit in Zusammenhang gebracht. Die Seuche unter Rindern, Schafen und Ziegen ist vor August 2006 in Deutschland noch nie nachgewiesen worden. Durch die wärmeren Temperaturen findet der Überträger der Krankheit, eine Stechmücke, immer bessere Lebensbedingungen vor und ist bis in den Norden vorgedrungen. "Da dem Insekt nicht beizukommen ist, muss jetzt gegen die Krankheit in großem Umfang geimpft werden", so Hassenpflug zu den Konsequenzen. Obstbauern und Landwirte werden auf die Klimaveränderungen reagieren müssen, so das Fazit beider Referenten. "Anpassung ist nichts Neues für die Praxis. Neu sind aber Geschwindigkeit und Dimension", hieß es in Jork. Um Schritt halten zu können, wurde eine intensive begleitende Forschung gefordert.

Die Tagung "Europa im Klimawandel: Anpassungsstrategien und Chancen der Landwirtschaft" besuchten gut 100 Zuhörer aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Europäischen Informations-Zentrum (EIZ) Niedersachsen und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.