25.07.2014
07.05.08

Islamische Hotels nicht mehr nur in den Golfstaaten

Von: (bioundhalal)

Neuer Wachstumsmarkt: "Scharia-konforme" Hotelketten. So genannte „scharia-konforme“ Hotels wachsen im gesamten Nahen Osten und anderswo wie Pilze aus dem Boden, verstärkt durch einen Anstieg der Zahl arabischer Touristen.

Der Markt für scharia-konforme Hotels steigt simultan mit dem Anstieg der Zahl arabischer Touristen an.

Der Markt für scharia-konforme Hotels steigt simultan mit dem Anstieg der Zahl arabischer Touristen an.

Die Nachfrage nach scharia-konformen Unterkünften sei im Anstieg begriffen und stelle bereits jetzt etwa 10 Prozent des weltweiten Tourismus-Marktes, sagt Abdulla Almulla, Chairman der in Dubai ansässigen Almulla Hospitality. Während einer Rede auf der Arabian Investment Conference sagte Almulla, dass seine Firma plane, bis zum Jahr 2015 eine internationale Kette von 150 scharia-konformen Hotels aufgebaut zu haben, von denen rund 90 im Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika gelegen sein sollen.

Markt mit hohem Wachstum

Der Markt für scharia-konforme Hotels steigt simultan mit dem Anstieg der Zahl arabischer Touristen an. Reisende aus den Staaten des Golf-Kooperationsrates geben nach Angaben des World Tourism Organisation jährlich über 12 Milliarden für Freizeitreisen aus. Reisende aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geben pro Reise durchschnittlich 1.700 Dollar aus, was 500 Dollar höher liegt als der europäische Durchschnitt.

Almulla möchte eine Markenidentität etablieren, die muslimische Reisende erkennen sollen und der sie vertrauen. Manche Hotels bezeichneten sich selbst als „islamisch“, seien aber nicht scharia-konform, merkte Almulla an, und nannte ein Beispiel, bei dem ein „trockenes“ Hotel nichtalkoholische Drinks an einer „Juice Bar“ anbot. „Wir würden es nicht ‚Bar’ nennen, denn dieses Wort sollte in einem scharia-konformen Hotel nicht gebraucht werden“, sagte er.

Internationale Richtlinien

Bisher sind keine internationalen Richtlinien entwickelt worden, die einheitliche Standards für scharia-konforme Hotels festlegen. Als Minimum gilt, dass es in diesen Hotels keinen Alkohol, Glücksspiel und unsittliche Filme gibt, und dass sie nur Halal-Essen anbieten.

Almullas Hotelkette wird Richtlinien folgen, die von einem hauseigenen Rat islamischer Experten festgelegt wurden. „Die internationalen Standards für islamische Hotels werden sich in den nächsten zehn Jahren deutlicher entwickeln”, sagt er voraus.
Scharia-konforme Hotels würden letztlich auch unter nichtmuslimischen Touristen Fuß fassen, glaubt Almulla, doch werde es etwas Zeit brauchen, sie davon zu überzeugen, dass sie den gleichen Service-Standard erhalten und keine Qualitätseinbußen hinnehmen müssen. Er sagt, dass seine Hotels bei Nichtmuslimen Anklang finden werden wegen ihrer sozialverantwortlichen Kultur und ihrer ruhigen, familienfreundlichen Atmosphäre.

Shaza sucht Marktanteil

Eine andre Hotelkette, die sich einen Löwenanteil am arabischen Reisemarkt sichern möchte, ist die kürzlich gegründete Marke Shaza Hotels, die aus einer Kooperation zwischen Kempinski, Europas ältester Luxushotelmarke, und der internationalen Finanzfirma Guidance Financial Group hervorgeht, wie Christopher Hartley, Shazas Unternehmenschef, sagte.

Hartley glaubt, dass im regionalen Hotelmarkt eine Unterversorgung an solchen Hotels bestehe, die sich auf arabische Touristen ausrichten. „Die meisten Reisenden im Mittleren Osten sind innerregionale Reisende“, merkte er an. „Wir wollen ein Produkt kreieren, das die Bedürfnisse, Werte und Interessen dieser Reisenden widerspiegelt.“
Das Unternehmen möchte nichtmuslimische Gäste anziehen, indem es ihnen etwas Einzigartiges anbietet. „Es gibt eine Sättigung von Marken auf dem Hotelmarkt“, sagte Hartley. „Wir wollen ein Produkt kreieren, das sich unterscheidet.”
Scharia-konform zu sein ist nur ein Aspekt dessen, was Shaza Hotels anbieten werden. „Scharia-konforme Hotels sind ein neues Konzept, doch arabische Gastfreundschaft ist tausende von Jahren alt”, merkte Hartley an. „Bei der Gastindustrie geht es darum, Menschen willkommen zu heißen, und die Araber können dies sehr gut.”
Zusätzlich zur Planung mehrerer Hotels in den Golfstaaten eröffnet Shaza auch ein Hotel in Genf, einem der beliebtesten europäischen Reiseziele für Touristen aus dem Mittleren Osten. „Wir glauben, dass der Markt für diese Art von Hotel reif ist. Unser Hotel wird Gäste in die arabische Kultur eintauchen lassen, und wir werden ein Speiseangebot haben, dass auch die durchschnittliche Person in Genf anziehen wird“, sagt Hartley.

Profit ohne Alkohol

Zu der Frage, ob ein solches scharia-konformes Hotel auch ohne Alkoholausschank profitabel sein könne, sagte Hartley, dass der überwiegende Teil der Gewinne eines Hotels aus der Zimmervermietung komme. „Der gastronomische Bereich bringt oft nicht sehr viel ein, weil die Gewinnspannen niedrig sind und es ein arbeitsintensiver Bereich ist“, gab er zu bedenken.
Der Schlüssel scheint zu sein, Gästen eine Erfahrung zu geben, die sie woanders nicht bekommen können. „Im Moment ist das teure japanische Restaurant Zuma der angesagteste Ort in London, weil es eine einmalige kulturelle Erfahrung bietet“, sagte Hartley. „Es gibt keinen Grund, warum unsere Hotels nicht ebenso erfolgreich sein können.“