17.12.2017
23.10.08

Gesundheit aus der «Menschenwurzel» - Ginseng made in Germany

Von: Von Imke Hendrich, dpa

Gräfendorf/Walsrode (dpa) - Sie sehen aus wie Spargel-Felder. Doch unter den Hügeln wächst sehr langsam eine Wurzel heran, der seit Jahrtausenden in der traditionellen asiatischen Medizin wahre Wunderwirkung nachgesagt wird: Ginseng. Deutschlandweit wird diese Heilwurzel nach Auskunft des Deutschen Bauernverbandes nur an zwei Orten angebaut, im niedersächsischen Walsrode und in Gräfendorf (Teltow-Fläming) südlich von Berlin. «Sechs Jahre muss Ginseng wachsen, bis die wertvollen Inhaltsstoffe gespeichert sind, erst dann kann geerntet werden», erzählt Jörg Niendorf aus Gräfendorf, nach eigenen Angaben einziger Öko-Ginseng-Landwirt in Europa.

Mit einem umgebauten Kartoffelroder holt er die hellen, zumeist 50 bis 100 Gramm schweren Wurzeln an die Oberfläche. «Abgesammelt werden müssen sie mit der Hand», sagt Niendorf. Gerade ist die diesjährige Ernte auf einem halben Hektar beendet, mit rund 250 Kilogramm getrockneter Ware lief es «mittelmäßig». Die getrockneten Wurzeln lässt Niendorf zu Pulver und dann zu Kapseln verarbeiten, die er direkt vermarktet. Ginseng werden viele positive Wirkungen nachgesagt, so soll er Herz- und Kreislauferkrankungen vorbeugen. «Studien besagen zudem, dass der regelmäßige Genuss das Krebsrisiko um 40 Prozent senkt», erläutert der 46-jährige Niendorf.

Die Apotheker sind da etwas vorsichtiger mit der Einschätzung zur Wirksamkeit des Ginseng: So gibt es nach Auskunft der Landesapothekerkammer Brandenburg keine seriösen Untersuchungen, die eine Minderung des Krebsrisikos belegen. «In Studien konnte lediglich nachgewiesen werden, dass Ginseng die unspezifische körpereigene Stressbewältigung steigert», erläutert eine Sprecherin. Deutsche Apotheken meinen deshalb, dass Ginseng nur zur Stärkung bei Müdigkeit, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit oder nach fiebrigen Erkrankungen beitragen kann. «Mehr als zweifelhaft ist dagegen eine Anwendung etwa gegen Schlaflosigkeit oder Impotenz.»

Aus Sicht der FloraFarm in Walsrode-Bockhorn (Niedersachsen), die seit 26 Jahren Ginseng anbaut, wird dieser immer beliebter. «Die Wurzel ist immer gefragter, weil ihre umfassenden Wirkungen immer bekannter werden», meint Produktmanagerin Martina Müller. Rund 40 000 Gäste kämen pro Jahr, um auf dem Hof mit neun Hektar Anbaufläche Produkte von Kapseln über Wurzelstückchen zum Kauen bis hin zu Hautpflegeartikeln zu kaufen oder sich über die Heilwurzel zu informieren. Diese wird übrigens auch «Menschenwurzel» genannt, weil sie teilweise eine menschenähnliche Gestalt mit Beinen, Armen und Kopfansatz hat, wie Müller erzählt.

Beide deutschen Anbauer betonen, wie aufwendig das Ginseng- Geschäft ist. «Wir beschatten die Pflanzen mit Folien und sammeln die Schnecken in Handarbeit ab», sagt Müller. Dadurch, dass die aus koreanischem Saatgut gezogenen Wurzeln sechs Jahre lang wachsen müssen, sind laut Niendorf die Gefahren durch Unwetter, Schädlinge und Krankheiten sehr groß. Und: «Wenn wir ein Feld abgeerntet haben, kann man dort 20 Jahre lang keinen Ginseng mehr anbauen.»