17.12.2017
03.06.08

Garanten, dass unsere Nahrung für den Verzehr geeignet ist

 

Hintergrundbericht aus den Untiefen der Ernährungswissenschaft

 


(halalfocus.com). Brot und Milch waren die alltägliche Ernährung der Wissenschaftler aus dem englischen Birmingham, dessen Aufgabe es ist, die Nahrung der Menschen auf ihre Eignung zum Verzehr zu überprüfen. Mittlerweile verbringen sie ihre Zeit mit exotischen Geschmackssorten. Dies verdanken sie einem gestiegenen Zustrom an Nahrungsmitteln aus Osteuropa und dem Fernen Osten.

Gläser mit Fleisch und Süßigkeiten aus Polen, Cola aus dem Fernen Osten und getrocknete Tintenfische finden sich im Labor von Stewart Davis, dem leitenden Wissenschaftler an den Einrichtungen der Stadt Birmingham.

Stewart, der die Abteilung für Lebensmittel- und Umweltanalyse dieser städtischen Laboratorien leitet, erklärt: „Vor Jahren noch testeten wir hauptsächlich Dinge wie Brot und Milch. Eine Person verbrachte die meiste Zeit ihres Tages mit der Überprüfung von Milchproben. Aber heute haben wir hier Lebensmittel, die wir noch nie gesehen haben. Viele Produkte werden aus Ostasien und aus Osteuropa eingeführt. Allein im Stadtteil Erdington gibt es vier polnische Supermärkte."

Er weist darauf hin, dass der Großteil der überprüften Produkte sicher sei. „Aber es ist unsere Aufgabe, dass alle verkauften Lebensmittel den Regeln entsprechen.“ Der Gebrauch von Farbstoffen in Lebensmitteln wird umsichtig kontrolliert, denn sie stehen in Zusammenhang mit Gefahren wie Krebs und Hyperaktivität. Die Wissenschaftler haben augenblicklich einen Farbstoff im Auge, der Fleischklößen und Würsten hinzugefügt wird. Dieser - Red 2G - wird verwendet, um Fleisch frischer erscheinen zu lassen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat den Farbstoff, der auch als E128 bekannt ist, als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft, denn Versuche lassen den Schluss zu, dass er bei Ratten und Mäusen Krebs erregt.

Ebenfalls zu den Aufgaben der Forscher zählt es, zu überprüfen, ob die Verpackungen wirklich die versprochene Ware erhalten. In der Vergangenheit hätten sie mehrfach entdeckt, dass vegetarische Lebensmittel Spuren von Fleisch enthalten und Halal-Produkte Schwein. Stewart stellt klar, dass dies allerdings nur selten der Fall sei.

Manchmal seien die Bezeichnungen nicht in der Landessprache gehalten. „Also müssen wir sicherstellen, dass die Produkte auch wirklich enthalten, was sie behaupten. Kaufen Kunden eine Diät-Cola, die beispielsweise den Süßstoff Aspartam enthält, muss dies auf dem Label verzeichnet sein, weil einige Verbraucher darauf allergisch reagieren.“ Ein Anstieg an Allergien bedeutet, dass die Käufer in der Lage sein müssen, die Etiketten zu verstehen. „Erdnussallergien können für manche eine sehr ernsthafte Angelegenheit sein. Daher schauen wir genau hin“, sagt Stewart, während er eine Tüte Süßigkeiten aus Osteuropa in die Hand nimmt.

Deren Verpackung nennt sie Hummerschwänze. Nicht gerade die erste Sache, die einem einfällt, wenn man an Erdnüsse denkt. Aber ein genauer Blick auf das Etikett, welches in Englisch verfasst ist, zeigt, dass sie Erdnüsse enthält. Einige Importe haben jedoch keine Bezeichnungen in Englisch. Besorgnis erregende Fälle werden an die städtischen Einrichtungen übergeben, sodass Kontrolleure einschreiten können.

Im Augenblick ist die Etikettierung von Lebensmitteln ein heißes Thema für Lebensmittelforscher. Stewart erklärt: „Das Hauptgewicht liegt heute auf der Auszeichnung von Lebensmitteln. Eine Beschreibung der ernährungsrelevanten Anteile ist nicht notwendig, es sei denn, es wird behauptet, ein Lebensmittel sei fettarm.“

Stewart lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen. Geben Sie ihm ein Glas Heide-Honig und er kann sagen, ob die Bienen jemals Heidekraut gesehen haben, oder ob die Käufer in die Irre geführt werden sollen. „Wir können die Pollenkörner des Honigs untersuchen, um zu sehen, ob sie vom Heidekraut stammen.“ Dies sei wichtig, denn solche Honigsorten würden für einen hohen Preis verkauft.

Zu den anderen Forschungssparten, die er und sein Team betreuen, zählen die so genannten Super-Nahrungsmittel. Gläser mit Zimt sind auf seinem Schreibtisch aufgereiht, der wie eine Mischung zwischen einer Küche und einem Schullabor aussieht. In manchen Zirkeln wird der Zimt sehr gelobt, weil er dabei helfen soll, Blutfettwerte zu senken und Diabete zu bekämpfen. Was die Verbraucher aber nicht wissen, ist die Tatsache, dass er einen Inhaltsstoff namens Coumarin enthält, der in hohen Dosen die Leber schädigen könnte. Zimt wird in Kapseln verkauft. Dessen Anteil variiert nach unterschiedlichen Produzenten. Daher suchen Wissenschaftler in dem Labor nach verlässlichen Tests. Damit können sie sicherstellen, dass die Etiketten, die behaupten, dass das Produkt die Gesundheit fördern helfen soll, diese nicht in Wirklichkeit schädigt.

Stewarts Aufgabe wird niemals langweilig. Gefälschte Lebensmittel und Getränke zählen zu einem weiteren Bereich, auf dem seine Fähigkeiten gefragt sind. Außerdem hat er die Aufgabe, sich um Beschwerden von Verbrauchern zu kümmern. In seinem Bücherregal steht ein erschreckendes Photoalbum, das man nicht bei einem Familientreffen vorführen würde.

Zu den Fotos zählen Grashüpfer in Salatpackungen, Bisamrattenkot und verbackene Pflaster in Brot. Stewart muss feststellen, um was für Objekte es sich dabei handelt und wie sie dahin gekommen sind. Man müsse immer davon ausgehen, dass es Menschen gebe, die Ladenbesitzer in Schwierigkeiten bringen wollten. „Wir können unter dem Mikroskop erkennen, ob Objekte im Prozess der Lebensmittelerzeugung zugefügt wurden, oder erst im Nachhinein der fertigen Ware.“ Seine Einrichtung erhalte hunderte von Beschwerden jährlich. „Wir bemühen uns um eine schnelle Abwicklung, weil sich die Menschen offensichtlich Sorgen machen.“ Es sei schön, wenn man die Verbraucher beruhigen könne.