17.12.2017
25.04.08

Für einen gerechten Welthandel

Von: Yasin Alder

Die Fairtrade-Bewegung steht vor neuen Herausforderungen. Fair gehandelter Honig aus Mexiko, Kaffee aus Nicaragua, Datteln aus Tunesien und vieles mehr - all diese Dinge wurden bis in die Mitte der 90er Jahre in so genannten „Dritte Welt-Läden“ verkauft. Diese ehrenamtlichen Projekte wurden entweder von kirchlichen Initiativen oder politischen Gruppen getragen.

Nach Angaben der FLO profitierten bisher mehr als 1,4 Millionen Kleinproduzenten in armen Ländern von der Erschließung neuer Märkte durch die Vergabe der Prüfsiegel.

Wegen ihrer geringen Kapitaldecke konnten sie und die Importeure keinen großen Kundenstamm aufbauen und blieben, vergleichbar zur heutigen Lage des Halal-Marktes, auf wenige Verbraucher beschränkt. Die einzige Ausnahme waren öffentliche Einrichtungen, wenn diese für ihre Kantinen Kaffee aus Nicaragua oder Mexiko einkauften. Dieser unbefriedigende Markt wurde Anfang der 90er Jahre in der Fairtrade-Bewegung auch über die deutschen Grenzen hinaus heftig debattiert. Einer der Ansätze, der sich am Ende durchsetzen konnte, bestand in der Umkehrung der bisherigen Konzepte. Anstatt in kleinen, unterfinanzierten Projekten unter gerechten Bedingungen erzeugte Produkte an eine begrenzte Kundenschaft zu verkaufen, bot sich eine neue Lösung an. Um die Idee für den gerechten Handel im allgemeinen Lebensmittelhandel zu verbreiten, wurde in Deutschland der gemeinnützige Verein TransFair mit dem Ziel gegründet, benachteiligte Produzenten in der Dritten Welt zu fördern. Dabei vertreibt der Verein keine eigene Marke, sondern vergibt analog zu Bio- und Halalverbänden Prüfsiegel an Unternehmen, die sich am gerechten Handel beteiligen und einen Verkaufsvorteil mit dem Siegel erzielen möchten. Vielmehr sieht TransFair seine Aufgabe darin, „Marketing und die Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit“ für den gerechten Handel zu machen.

Nach mehr als 15 Jahren hat es die Fairtrade-Bewegung geschafft, dass in den Supermarktketten des Westens - wie beispielsweise Sainsbury oder Co-Op in Großbritannien - neben Billigmarken ohne diesen Anspruch auch gleiche Produkte zu haben sind, die unter gerechten Bedingungen produziert und gehandelt werden. So wie TransFair auf dem deutschen Markt besteht weltweit eine Vergabeorganisation, die die Einhaltung der Regeln für die Vergabe der Prüfsiegel (unter dem Stichwort „Transfair“) überwacht. Dabei handelt es sich um die Fairtrade Labelling Organisation (FTO). Mitte April traf sich die Fairtrade-Bewegung in Brüssel, organisiert von einer EU-Unterorganisation für Landwirtschaft in den AKP-Staaten, um über die vergangenen Erfolge und Herausforderungen ihres Projekts zu debattieren. Dabei kann die Bewegung durchaus auf fünf erfolgreiche Jahre zurückblicken.

In diesem Zeitraum verzeichnete sie ein durchschnittliches Wachstum von bis zu 40 Prozent jährlich. Der Gesamtverkauf von gerecht gehandelten Produkten betrug 2007 mehr als zwei Milliarden Euro. Auch wenn dies erkennbar ein Erfolg ist - im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren, in denen Produkte nur aus idealistischen Gründen gekauft wurden und keine nennenswerten Umsätze verzeichneten, wird der weltweite Halal-Markt im Vergleich dazu auf 250 Milliarden Euro geschätzt.

Einer der grundsätzlichen Streitpunkte, die in Brüssel debattiert wurden, ist die Herausforderung, wie mit multinationalen Lebensmittelkonzernen umzugehen sei, die ansonsten wegen ihres Geschäftsgebahrens im Fokus der Kritik stehen. Eines dieser Beispiele ist der Schweizer Gigant Nestlé, der die Kaffeemarke Partners gekauft hat, deren Produkte das Fairtrade-Logo tragen. Nach Angaben von FLO-Sprecherin Gelkha Buitrago habe dies ein große Kontroverse innerhalb der Fairtrade-Bewegung ausgelöst. Und doch verteidigt Buitrago die Entscheidung von FLO, denn „wir unterstützen keine Firmen, sondern wir vergeben Siegel für Praktiken. Wir versuchen, die Erfüllung ethischer Standards zu garantieren.“ Nach Angaben der FLO profitierten bisher mehr als 1,4 Millionen Kleinproduzenten in armen Ländern von der Erschließung neuer Märkte durch die Vergabe der Prüfsiegel. Kernprinzip dabei ist, dass den Produzenten stabile Preise gezahlt werden, dass sie nicht abhängig sind von der
Unsicherheit spekulativer Märkte, dass die Arbeitsbedingungen gut sind und dass ökologische Standards eingehalten werden.