17.12.2017
18.11.08

Emirate übernehmen Führung im Bereich scharia-konformer Lebensmittel

Von: Von Vivian Salama, Halalfocus.com

(Abu Dhabi) Von Hotdogs bis zu Hotels – Halal-Firmen weltweit erleben eine gestiegene Nachfrage nach scharia-konformen Lebensmitteln und sehen eine zunehmende Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bei der Regulierung der Halal-Industrie.

 

Firmen aus mehr als 30 Ländern, darunter Australien, Kuwait, Großbritannien und Serbien kamen zur zweiten „Halal World Expo“, um einen Konsens darüber zu finden, was denn nun ein Produkt zu einem Halal-Produkt mache.
„Wir brauchen bessere internationale Standards, und es gibt Länder wie Malaysia und jetzt auch die VAE, die beginnen, eine starke Rolle dabei zu spielen“, sagte Mazen Darawsheh, zuständig für Regulierungsangelegenheiten bei Nestlé, welche ausschließlich scharia-konforme Lebensmittelprodukte produzieren.

Die weltweit am stärksten wachsende Religion mit über 1,4 Milliarden Menschen versorgend, hat die rapide wachsende Halal-Industrie mit einem Wert von 7,7 Billionen Dirham (2,1 Billionen US-Dollar) ihre Bandbreite in den letzten Jahren erweitert und umfasst nun alles mögliche von Lebensmitteln über islamische Mode und Textilien bis hin zu pharmazeutischen Produkten, Kosmetik und sogar den Bereich des „Islamic Finance“.
Die stark fragmentierte Halal-Industrie war Thema globaler Debatten, da industrielle Führer stärker standardisierte Regulierungen und Zertifizierungen fordern. Während Malaysia derzeit die Industrie dominiert, sind auch die VAE in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Player geworden, und zwar aufgrund ihrer gemischten Bevölkerung und ihrer Nähe sowohl zu den asiatischen als auch nahöstlichen Märkten. Die Emirate fungieren insbesondere als Tor zum saudi-arabischen Markt, wo Scharia-Kompatibilität für alle Lebensmittelprodukte vorgeschrieben ist.
„Das ist ein sehr attraktiver Markt für unser Geschäft“, sagt Jolly Raca, Exportdirektor der in den Philippinen ansässigen Florence Foods. „Es gibt hier, und auch in Saudi-Arabien, viele Filipinos, die gerne philippinisches Essen mögen, und wir produzieren es halal sodass es auch die hier lebenden Muslime anspricht.“

Experten meinen, dass es ein langer und schwieriger Prozess sein werde, einheitliche Richtlinien zu entwerfen, da es so viele Variationen von halal auf der Welt gebe wie es Staaten gebe. „Die Bedeutung von halal ist von Land zu Land unterschiedlich“, sagt Mohammed Jalal Al Reyaysa, Direktor für Public Relations der Abu Dhabi Food Control Authority. „Wir sind Teil eines Komitees, das festlegt, ob ein Product halal ist oder nicht.“
Während die meisten Staaten im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika so gut wie alle scharia-konformen Produkte als halal betrachten, beschränken südostasiatische Staaten diese Bezeichnung auf Lebensmittelprodukte. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben von Firmen nie verlangt, Halal-Produkte entsprechend zu kennzeichnen. Laut Herrn Reyaysa müssen Halal-Marken, die in den VAE auf den Markt kommen wollen, ein Zertifikat von einer islamischen Organisation ihres Heimatlandes vorweisen, das von der Botschaft der VAE in dem jeweiligen Land anerkannt wird.

Die Nachfrage nach scharia-konformen Produkten ist weiter im Anstieg begriffen. Laut einer Studie von Brand Union orientieren sich 70 Prozent der Muslime weltweit mehr oder weniger an den Halal-Standards.
Die Halal-Industrie könnte ohne weiteres im Jahr 2025 rund 20 Prozent des Welthandels im Nahrungsmittelsektor ausmachen, heißt es vom Agri-Food Trade Service der kanadischen Regierung.
„Ich verkaufe Halal-Produkte, sodass der Halal-Anteil Muslime anspricht, aber der Bio-Anteil kann auch Christen ansprechen, oder jedermann“, sagt Dusko Duric, Direktor des in Belgrad ansässigen Halal- und Bio-Produzenten Suoloe Salute Serbian.
Die Halal-Industrie dehnt sich in zunehmendem Maße auf Non-Food-Produkte aus, so Hani Lashin, General Manager der Gruppe Al Jawhara, die scharia-konforme Hotels und Apartments betreibt.
„Bei uns gibt es keinen Alkohol, und sämtliche Lebensmittel sind bei uns von Al Islami [einem Lebensmittelunternehmen], sodass sie 100 Prozent halal sind“, sagt er. „60 Prozent unserer Gäste sind Nichtmuslime, denn wir bieten ihnen ein ruhiges, sicheres und familienorientiertes Hotel.“

Ein anderer reger Sektor, der danach trachtet, sein Portfolio mit scharia-konformen Produkten anzukurbeln, ist die Kosmetikindustrie mit geschätzten 2,06 Billionen Dirham Umsatz weltweit.
Marken wie ACTIValoe, Sunbreeze und Kandesn haben bereits die Anerkennung des Chicagoer Islamic Food and Nutrition Council of America und anderer Halal-Zertifizierungsgremien erhalten.