17.12.2017
09.05.08

Bald kein natürlicher Honig mehr?

Von: Yasin Alder

Interview mit Peter Maske vom Deutschen Imker Bund über die drohende gentechnische Verunreinigung in Deutschland erzeugten Honigs

(bioundhalal) Peter Maske ist Beisitzer im Vorstand des Deutschen Imker Bundes, Sprecher für Gentechnik-Fragen des Landesverbandes Bayerischer Imker und leitet den Bezirksverband Unterfranken. Er setzt sich aktuell insbesondere gegen die geplanten Anbau von gentechnisch verändertem Bt-Mais ein und war dabei im bayerischen Landkreis Kitzingen auch schon erfolgreich, wo sich ein breites Bündnis von Gentechnik-Gegnern den Anbau verhindern konnte.

Bio und Halal sprach mit ihm anlässlich der für den Pfingstmontag geplanten Demonstration in Bonn gegen die weitere Verbreitung genmanipulierter Pflanzen.

 
Bio und Halal: Herr Maske, welche Forderungen erheben Sie seitens der Imker anlässlich der Demonstration während der UN-Konferenz zur Biodiversität in Bonn?

Peter Maske: Für mich geht es darum, dass auch auf EU-Seite die Forderung der Imker nach Koexistenz beziehungsweise Wahlfreiheit entsprechend Berücksichtigung findet. In dem Gentechnikgesetz steht die Koexistenz festgeschrieben, doch die Imker sollen ganz einfach in Kauf nehmen, dass der Honig verunreinigt wird durch Pollen, der genetisch verändert ist. Das wollen wir so nicht hinnehmen, indem wir auf die gesetzlichen Bedingungen hinweisen wollen.

Bio und Halal: Inwiefern sind denn derzeit bereits genmanipulierte Pflanzen hier in Deutschland verbreitet?

Peter Maske: Es sind auf jeden Fall mehr in den neuen Bundesländern vorhanden, der Bt-Mais, also der genetisch veränderte Mais mit dem Bazillus turingensis ist dort mehr im Anbau. Dort ist aber zum Glück die Bienenhaltung nicht so verbreitet wie zum Beispiel in Bayern, wo es die höchste Bienendichte gibt, und auch die Felderstruktur ist hier sehr klein strukturiert.

Bio und Halal: Geht es hauptsächlich um den genetisch veränderten Mais, oder auch um andere Pflanzen?

Peter Maske: Bisher ist es so, dass nur beabsichtigt ist, Mais mit dieser Technik einzusetzen. Aber wie es so schön heißt: „Wehret den Anfängen!“ Wenn einmal Mais fest eingezogen ist, kommt vermutlich danach auch der Raps, und ein solcher Raps ist keinesfalls hinnehmbar, weil die Bienen den Raps sehr stark als Trachtpflanze anfliegen. Dort fällt nicht nur der Pollen an, sondern auch der Nektar.

Bio und Halal: Sie befürchten also, dass letztlich der Honig durch diese gentechnisch veränderten Pflanzen beeinträchtigt wird?

Peter Maske: Es ist so, dass nicht nur der Honig durch Verunreinigung beeinträchtigt wird, sondern auch die Biene selbst; sowohl die erwachsene Biene als auch die Bienenbrut, die ja permanent mit Pollen gefüttert werden muss, geschädigt wird. Es gibt bisher Untersuchungen, dass Nichtzielorganismen geschädigt werden, dazu zählen nach neueren Untersuchungen auch die Bienen. Und deshalb müssen wir darauf hinweisen und müssen auch eine Forschung fordern, die objektiv ist.

Bio und Halal: Die Imker demonstrieren in Bonn gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen…

Peter Maske: Die gleichen Interessen wie die Imker haben natürlich auf ganzer Breite zum Beispiel der Bund für Umwelt und Naturschutz, der ja eine sehr hohe Mitgliederzahl hat; am gleichen Strang ziehen aber auch die Biolandwirte, Bioland, Demeter, also alle, die entsprechende Saat-, Zucht- und letztlich auch Nahrungsmittel erzeugen, bei denen es nicht auf durch gentechnische Forschung erzeugte Veränderungen, sondern auf die natürliche Betriebsweise ankommt.

Bio und Halal: Das heißt, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen hier in größerer Zahl verbreitet wären, könnte man zum Beispiel keinen Bio-Honig mehr erzeugen?

Peter Maske: Das ist richtig, ein biologischer Honig ist dann keinesfalls mehr produzierbar. Aber auch die Masse des Honigs, der in Deutschland produziert wird, ist von den Inhaltsstoffen her sicherlich genauso Bio-Honig. Durch die gentechnisch veränderten Pflanzen haben wir dann aber keinen naturbelassenen Honig ohne gentechnisch veränderte Organismen mehr.

Bio und Halal: Wie sehen Sie ihre Chancen, diese Entwicklung noch aufhalten zu können? Welche Möglichkeiten haben Sie dafür?

Peter Maske: In erster Linie, den rechtlichen Status in der Gesetzgebung einzuklagen. Es kann nicht sein, dass im Gesetz die Koexistenz verankert ist und dass die Wahlfreiheit gewährleistet sein muss, andererseits aber dem Imker und auch dem Verbraucher einfach gesagt wird, dass man so etwas hinnehmen müsse, da es eine „natürliche Verunreinigung“ sei.

Bio und Halal: Sind Sie diesbezüglich zuversichtlich oder eher pessimistisch?

Peter Maske: Ich bin juristisch gewissermaßen vorbelastet und glaube an das Gesetz. Ich bin nur etwas erstaunt darüber, dass wir leider solche Dinge nur gerichtlich durchsetzen können, und ich zweifle da an dem politischen Sachverstand.

Bio und Halal: Man findet hierzulande im Handel häufig Honig mit der Kennzeichnung „Honig aus Nicht-EG-Ländern“ oder Mischungen von „Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern“. Kann die Herkunft des Honigs eine Rolle für dessen Qualität spielen?

Peter Maske: Ich kann sagen, dass die Imker auf der ganzen Welt sicherlich sehr guten Honig erzeugen, ich sage bewusst auf der ganzen Welt, dass aber im Handel sehr viel mit diesem ursprünglich gut erzeugten Honig geschieht. Auf den vielen Vertriebswegen gibt es Qualitätseinbußen, und es können noch andere Ursachen für Qualitätsverlust hinzukommen. Deswegen ist mein Rat für Verbraucher in jedem Land, dass man in der Region, in der man lebt, nach Honig nachfragt, und dann wird man auch Honig erhalten.

Bio und Halal: Also am besten Honig kaufen, der aus der näheren Umgebung stammt?

Peter Maske: Richtig, Honig aus der Heimat, aus der eigenen Region. Dabei wird auch der Aspekt berücksichtigt, dass nur die Bienen in der Heimat auch für die Bestäubung in der Heimat sorgen.

Bio und Halal: Herr Maske, vielen Dank für das Gespräch.